Eric Clapton war derjenige, der in den 90ern das begann, was heute zu einem Prüfstein für jeden Musiker geworden ist, zu einer Herausforderung: die MTV-Unplugged Sessions. Man kann vom heutigen MTV halten, was man will. Mit diesem Format schrieb und schreibt der Sender Musikgeschichte. Keine Musikalischen Tricks, kein Autotune, Auge in Auge mit dem Publikum. Nur das eigene Sein zählt, der Charakter des Musikers, die grundeigene Musikalität. Übrigens normal für das Gros der Musiker heute, die sich nicht auf Albenverkäufe verlassen können und dazu gezwungen sind, kleine Locations live zu bespielen, um überhaupt erstmal auf eine gewisse Bekanntheit zu kommen.
1993 stellte sich ROD STEWART dieser Herausforderung. Wobei ich glaube, dass dies für seine geschulte Rhythm & Blues-Stimme kein großes Problem gewesen sein dürfte. Stewarts Songs bauen auf dessen Stimme auf, ohne seine Stimme wären Songs wie MAGGIE MAE, glaube ich, kaum denkbar. Ich habe jedenfalls – wenn man mal von SAILING absieht – bisher nur wenige Interpreten gehört, die in der Lage waren, Songs von Stewart halbwegs annehmbar zu covern.
Und so zauberte Stewart in einem stimmungsvollen Setting im Jahr 1993 eine zauberhafte Atmosphäre herbei. Es waren herrliche akustische Versionen seiner Hits zu hören. Unterstützt von seinem früheren Faces-Mitstreiter RON WOOD. Gänsehaut-Musik. Klassiker wie Every Picture Tell A Story, Hot Legs, Tonight’s The Night sowie brillante Versionen von Van Morrisons Have I Told You Lately, Tom Waits’ Tom Traubert’s Blues und Curtis Mayfields People Get Ready. Die Audio-CD enthält mit Gasoline Alley und Forever Young zudem zwei bisher unveröffentlichte Songs.
Es gibt in der MTV Unplugged-Serie diesmal eine Novität: zum ersten Mal erscheinen CD und DVD zusammen und das finde ich allemal erwähnenswert, weil man sich das Extra-Gekaufe nun ersparen kann. Außerdem ist der Doppelpack CD+DVD etwas geldbeutelschonender.
Mit 250 Millionen verkauften Tonträgern ist ROD STEWART zweifelsohne eine Choryphäe des Musikgeschäfts. Seine größten Erfolge feierte er zunächst als Leadsänger der Faces, dann mit einer beispiellosen Solokarriere, die er mit Alben wie Atlantic Crossing (1975) und A Night In The Town (1976) begründete. Die Siebziger standen unter dem Stern ROD STEWARTs, und wenn ihm in den Achtzigern auch nicht jeder Wurf gelang, überraschte er die Öffentlichkeit in den folgenden Jahren mit dem Unplugged-Album Unplugged & Seated (1993) und Rhythm’n’Blues-Klassikern auf Lead Vocalist (1993). 1994 wurde ROD STEWART in die Rock’n’Roll Hall Of Fame aufgenommen. Zwei Jahre später nahm er die unschlagbare Balladensammlung If We Fall In Love Tonight (1996) auf, bevor er sich mit When We Were The New Boys (1998) seiner Blues-Wurzeln entsann.
Bis heute ist der Mann mit dem schelmischen Lächeln und der Gänsehautstimme nicht stiller geworden und sorgt für große Songs – und das ist gut so!
Text © Tom Kolbe / Foto © WMG





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